RAW-Bildoptimierung im Detail

15 Jan RAW-Bildoptimierung im Detail

Ein Durchgang am praktischen Bild zeigt den typischen Ablauf einer RAW-Bildoptimierung in SILKYPIX Developer Studio. Natürlich wird jedes Bild, jede Licht- und Motivsituation im Einzelfall andere Parameter erfordern.

Der prinzipielle Ablauf, die Vorgehensweise der RAW-Konvertierung vom Ersteindruck zur Ausgabe als TIFF oder JPEG, bleibt aber in jedem Fall gleich und unterscheidet sich auch bei anderen RAW-Konvertern nicht gravierend.

Technische Fehler, die es zu vermeiden gilt wären etwa Unschärfe im Hauptmotiv, keine wirklich scharfen Stellen im Bild, ausgefressene Lichter ohne Zeichnung, zugelaufene Tiefen oder Überschärfung. Alle anderen möglicherweise als Fehler verstandenen Bildwirkungen (Horizontverlauf, Farbstich etc.) können auch Ausdruck kreativer Intention sein.

Die Ausgangssituation für RAW-Optimierung mit Silkypix

In der Ausgangssituation hat der Anwender seine Bilder bereits korrekt benannt und nach einem ersten Ausschussdurchgang in der Vorschaubild-Anzeige vor sich.

Per Doppelklick auf das entsprechende Vorschaubild wechselt SILKYPIX zur Einzelbild-Ansicht. Wie an anderer Stelle ausführlich erläutert, ist ein RAW-Bild zunächst ein einfaches Schwarz-Weiß-Bild, aus dem erst noch mit Zusatzinformationen, die der RAW-Konverter über den Sensor der Kamera besitzt, ein Farbbild interpretiert (interpoliert) werden muss.

SILKYPIX, wie auch alle anderen RAW-Konverter, errechnet daher bereits in dieser Stufe eine erste, sehr neutrale Interpretation des Bildes, bei der alle Parameter auf Mittelwerte bzw. auf null gestellt sind. Der Fotograf sieht daher sein Bild nie völlig neutral und ohne Interpretation einer zwischengeschalteten Software.

Das Bild existiert in dieser neutralen Form gar nicht als Farbbild. Andere RAW-Konverter werden also auch bereits diese erste Interpretation anders errechnen, sodass Bilder, wenn sie in unterschiedlichen RAW-Konvertern einfach nur geöffnet werden, bereits geringfügig unterschiedlich aussehen. In SILKYPIX ist hierfür die Vorliebe Systemstandard voreingestellt. Eine andere Vorliebe für die erste Interpretation des Bildes kann eingestellt werden, sollte aber in jedem Fall so neutral wie möglich ausfallen.

Systemstandard ist nichts anderes als die Bezeichnung für die aktuelle Zusammenstellung der Parametereinstellungen (in SILKYPIX die sogenannte Vorliebe).

Die grüne Schrift zeigt an, dass diese Parameterzusammenstellung noch in keinem Punkt geändert wurde. Wurde eine andere Vorliebe probeweise ausgewählt, dann aber wieder die Vorliebe Systemstandard eingestellt, erscheint die Schrift des Menüpunkts in Weiß. Wurde ein Parameter manuell verändert, sodass die Summe der Einstellungen nicht mehr den in der Vorliebe zusammengefassten Parametern entspricht, zeigt SILKYPIX an dieser Stelle Manuell (in weißer Schrift) an.

Will man in der laufenden Arbeit am Bild, nachdem einige Parameter verändert wurden, doch wieder auf diese Ausgangssituation zurückwechseln, ist dies einfach durch die Tastenkombination [Strg]+[X] möglich – häufig eine sehr wichtige Taste, bevor die Gefahr allzu groß wird, das Gesamtbild vor lauter Einstellungsmöglichkeiten aus dem Blick zu verlieren. Merkt man sich die Einstellungen vor dem Zurücksetzen in einem SILKYPIX-Zwischenlager, ist es sehr einfach, zwischen Vorher-/Nachher- Ansichten hin- und herzuschalten und die Bildwirkung zu kontrollieren.

Bildoptimierungsmaßnahmen mit Silkypix

Die im Folgenden beschriebenen Bildoptimierungsmaßnahmen werden in der Reihenfolge vorgenommen, wie sie SILKYPIX in seinem Haupteinstellbereich vorgibt.

Diese Reihenfolge ist nicht zufällig so gewählt, sondern entspricht einer technisch sinnvollen Abfolge von Bearbeitungsschritten einer RAW-Datei – beginnend mit dem Belichtungsausgleich, über Schärfung, Rauschunterdrückung bis hin zur Ausgabe in einer externen Datei.

Noch einmal sei betont: Ein gutes Bild aus einer RAW-Datei zu erzeugen heißt nicht, an möglichst vielen Reglern zu drehen und zu schrauben. Einzelne und auch mehrere Positionen der Optimierungsabfolge können natürlich übersprungen werden, wenn sie keine weitere bildverbessernde Wirkung erzeugen. Außer einer abschließenden Schärfung kann auf alle Parameteränderungen verzichtet werden.

Belichtungsausgleich mit Silkypix

Das Bild erscheint sehr dunkel und hat etwas an Duftigkeit der Abendstimmung verloren.

Hier hat die Belichtungsmessung der Kamera die obere Bildhälfte zu stark einbezogen und das Gesamtbild daher zu dunkel ausgesteuert. In einer sanften Korrektur wird die Belichtungseinstellung um maximal einen halben Blendenwert (EV-Wert) angehoben. Die leichte Wolkenzeichnung im ausgehenden Tageslicht tritt deutlicher hervor. Dies geschieht nach Augenschein.

Das Werkzeug für automatische Belichtungskorrektur würde hier, auf den Himmel angewandt, einen Wert von ca. +2 EV anwenden und das Bild viel zu hell erscheinen lassen.

Weißabgleich mit Silkypix

Das Ausgangsbild erscheint. Die Abendstimmung ist, kurz nachdem die Sonne nicht mehr direkt sichtbar ist, aber noch vor der blauen Stunde, etwas zu kalt.

Ein automatischer Weißabgleich durch die Kamera, der in den meisten Fällen schon sehr gute Ausgangswerte liefert, liegt hier leicht daneben und liefert eine zu niedrige Einstellung (4050 K).

Der Weißabgleich, genauer die Farbtemperatur, wird etwas hochgesetzt und das Bild damit wärmer. Die Lichtstimmung entspricht damit eher der gefühlten Situation, die eingefangen werden sollte.

Auch die Schatten-Anpassung wird geringfügig hochgefahren, um einen Farbstich gerade auch in den dunklen Bereichen zu vermeiden. Auch hier, und das ist nahezu immer vorzuziehen, wird nach Augenschein gearbeitet.

SILKYPIX bietet zwar für den Weißabgleich eine Automatik, die das ganze Bild regelt oder auf Basis eines manuell gesetzten Grauwertmesspunkts einen Abgleich vornimmt, aber in diese Automatiken sollte nicht zu viel Vertrauen gesetzt werden – wie die Beispiele zeigen.

Als weitere Hilfe zur Festlegung eines neutralen Graus bietet SILKYPIX ein Pipettenwerkzeug zur Definition von Hautfarbe, das gelegentlich durchaus hilfreich sein kann, hier jedoch verständlicherweise ebenfalls danebenliegt.

Kontrast einstellen mit Silkpix

Der Kontrast, also die Anhebung oder Absenkung von Helligkeitswerten im Bild, erfordert bei diesem Bild kaum Änderung.

Zu leicht könnte die Duftigkeit des Bildes verloren gehen. Bei einem duftig gestimmten Bild wie diesem kann durch Kontrastanhebung viel zerstört werden.

Darum wählen Sie nur eine geringe Anpassung, was dem Himmel mehr Strahlkraft verleiht und die Trennlinie zwischen Bergrücken und Himmel dezent verstärkt.

Farbsättigung mit Silkypix

Farbsättigung schwächt oder verstärkt, wie der Name schon sagt, die Farbwerte im Bild.

An der Farbsättigung zu drehen macht Freude, kommen doch so richtig bunte Bilder dabei heraus. Allerdings schadet zu viel Farbe nahezu allen Bildern, es sei denn, der Fotograf will explizit etwas überzeichnete Farben erreichen – etwa bei Fotos einer Party oder eines Popkonzerts.

Schärfe mit Silkypix einstellen

Neben der „Buntheit“ wird der Schärfe eines Bildes gern die größte Bedeutung für eine wie auch immer ausgelegte Bildqualität zugemessen. Je bunter und schärfer, desto besser. Kompakte Digitalkameras und JPEG-Prozesse in digitalen Spiegelreflexkameras bedienen dieses Qualitätsempfinden gern durch eingebautes Hochregeln der Farbsättigung und starkes digitales Schärfen der Bilder. Mit dem Resultat, dass die Bilder schon fast unrealistisch wirken.

Dem Reiz, die Schärfung stark hochzuziehen, sollte also mit Rücksicht auf die Natürlichkeit des Bildes widerstanden werden.Was das Objektiv nicht an Schärfe abzubilden in der Lage ist, kann kaum durch Software erzeugt werden.

Dennoch ist bei RAW-Bildern systembedingt eine Nachschärfung erforderlich. Ein Anti-Alias-Filter, der unmittelbar vor der Sensorfläche liegt, streut das eintreffende Licht ein wenig, um bessere Daten für die Farbinterpolation zu erhalten, und diese Streuung sorgt auch für leichte Unschärfe, die im RAW-Prozess kompensiert werden muss.

Das Beispielbild bezieht seine Wirkung in erster Linie aus der Lichtstimmung und insbesondere aus seiner Flächenaufteilung. Reizvoll sind dabei auch die Grenzen zwischen den Flächen, die es mit deutlicherer Schärfung zu betonen gilt. SILKYPIX unterscheidet zwei Methoden (Typen) der Schärfung: Normale Schärfe und Hoher Detailreichtum.

Die Unterschiede liegen in programminternen Berechnungsalgorithmen, die vom Anwender nicht weiter beeinflusst werden können. Allein mit Regulierung der Schärfungsparameter ist es nicht möglich, die Ergebnisse der unterschiedlichen Schärfungstypen zu erzielen.

Rauschen entfernen mit Silkypix

Die Parameter für Schärfung und für Rauschunterdrückung sind direkt voneinander abhängig.

Verändert man die eine Seite, wirkt sich dies direkt auf die andere Seite aus. Eine größere Schärfe hat immer eine Verstärkung des Rauschens zur Folge.

Versucht man, das Rauschen abzuschwächen, leidet darunter auch die Schärfe des Bildes. Dem durch relativ deutliche Schärfung verschlechterten Rauschverhalten versucht eine moderate Entrauschung entgegenzuwirken.

Ist dieser Basisworkflow durchlaufen, wird man in nahezu allen Fällen optimal ausgearbeitetes Bildmaterial produzieren, das in jedem Einzelfall Ausdruck individueller Kreativität ist.

Ein erster vollständiger Durchgang durch alle Standardeinstellungen kommt hier zum Abschluss.