Weißabgleich einstellen mit Silkypix

15 Jan Weißabgleich einstellen mit Silkypix

Der Begriff Weißabgleich ist im Deutschen etwas irreführend. Hier wird nämlich eben nicht festgelegt, was Weiß ist, also etwa der hellste Punkt im Bild, sondern was Grau ist, also der neutralste Punkt im Bild. Mit Weißabgleich wird die Kameraelektronik oder die Software des RAW-Konverters auf möglichst weitgehende Farbstichfreiheit eingestellt – damit Weiß tatsächlich neutrales Weiß und Grau tatsächlich neutrales Grau ist.

Dabei sollte der Fotograf allerdings nicht zu übertrieben auf neutrale Werte achten. Diese sind in der Natur meist auch nicht so neutral, und leicht ist die Lichtstimmung weggeregelt.

Auch der Weißabgleich gehört zu den früh im Workflow auszuführenden Einstellungen, die jedoch im Gegensatz zum Belichtungsausgleich auch bei schwierigen Motiven von der Kamera meist schon ganz gut vorgegeben werden. In SILKYPIX voreingestellt ist dabei der von der Kamera (automatisch) gemessene Wert.

Für Präzisionsfanatiker hilfreich ist die Arbeit mit einer genormten Farbkarte oder Graustufenkarte, die bei der Aufnahmesitzung unter gleichen Bedingungen mit fotografiert und in SILKYPIX vermessen wird.

Der Einstellung des Weißabgleichs kommt jedoch, anders als beim Belichtungsausgleich, viel stärker eine subjektive Komponente zu. Regelt man beim Sonnenuntergang den Rot-Orange- Anteil aus dem Motiv weg, etwa weil man nur auf die Normwerte der Farbkarte schaut, hat man auch die begehrte Stimmung weggeregelt.

Also, Vorsicht bei mehr als 20-prozentigen Änderungen der Farbtemperatur. Das Finden der optimalen Farbtemperatur unterstützt SILKYPIX wie jeder gute RAW-Konverter mit einer Grauwertpipette und – sonst kaum angeboten – mit einer Hauttonpipette. Gerade Letztere kann gute Dienste leisten, ist doch ein Hautton extrem schwer wiederzugeben.

Vorsicht vor zu viel Vertrauen in die Automatik ist jedoch auch hier geboten. Zu einfach können damit regionale Hautfarbnuancen eliminiert werden. Auch hier gilt: Augenschein und manuelle Änderung vor Automatik! Die Automatik sollte immer nur als Ausgangswert zur manuellen Anpassung dienen.

Für den korrekten Weißabgleich – und damit für die Messung der Farbtemperatur – wird mit der Grauwert-Pipette ein Rechteck in einem neutralfarbigen Bereich des Bildes aufgezogen. Dabei ist es – bei Verwendung einer Graustufenkarte – prinzipiell egal, welches der grauen Felder ausgemessen wird.

Nach der Messung und Anpassung sollten die Werte für Rot, Grün und Blau, in SILKYPIX rechts unten angezeigt, gleich sein.

Wo eine Anpassung allein der Farbtemperatur noch nicht zum gewünschten Ergebnis führt, können über Regler zur Farbablenkung und zur Schatten-Anpassung weitere Detailparameter justiert werden.

Gerade eine Schatten-Anpassung besticht durch die Möglichkeit, Farbverschiebungen speziell in dunklen Bereichen, die oft um Nuancen anders ausfallen als in mittleren oder helleren Bereichen, gezielt nachzujustieren.